Chronik

K.G. Büdericher Heinzelmännchen 1948 e.V.

Die Büdericher Heinzelmännchen sind eine volksnahe und der Tradition verpflichtete Karnevalsgesellschaft. Obwohl sie sich erst 1948 offiziell gründete, belegen Bilder und Urkunden, dass bereits im 19 Jahrhundert in Büderich das närrische Brauchtum fröhlich und mit Heiterkeit gefeiert wurde. So ist in einem Aktenstück der ehemaligen Gemeinde Büderich vom 6.1.1874 nachzulesen, dass angesehene Bürger um die Erlaubnis nachsuchten, einen Karnevalsverein zu gründen, um sich, so wörtlich, fröhliche Stunden zu verschaffen. Erster Präsident und Vorsitzender wurde der Mitbegründer Wilhelm Kels. Die ersten Veranstaltungen wurden im Saal “van Rennings” durchgeführt. 1950 übernahm Hermann Wilbrandt, der dem rheinischen Karneval zugetan war wie kein anderer, das Amt des 1. Vorsitzenden. Als Präsident übernahm Fritz Kriegleder, eine rheinische Frohnatur und weit über die Grenzen Düsseldorfs hinaus bekannt, die Leitung der Veranstaltungen. Er verstand es glänzend, in rheinischer Mundart durch das Programm zu führen. Da der Saal “van Rennings” zu klein wurde, verlegte man die Veranstaltungen in den Saal Wilbrandt-Peter. Dort fand 1950 die erste große Prunksitzung unter der Mitwirkung der Düsseldorfer Bürgerwehr mit ihrem legendären Präsidenten Willi Schmitz, genannt “Schmitze Backes”, statt.

Die Veranstaltungen beschränkten sich nicht nur auf den Büdericher Raum. Sitzungen und Kostümbälle wurden in den umliegenden Gemeinden Osterath und Willich sowie im Düsseldorfer Stadtteil Heerdt durchgeführt. Bereits im November 1951 wagte man den Sprung über die damalige Landesgrenze. Einen herausragenden Ruf hatten die Veranstaltungen im Selfkantgebiet, das zum damaligen Zeitpunkt noch unter holländischer Verwaltung stand. Der Erfolg war so gewaltig, dass die Veranstaltungen mehrere Jahre durchgeführt wurden. Die ersten freundschaftlichen Verbindungen waren schnell hergestellt, wenn auch nur auf karnevalistischem Gebiet.

Gastbesuche bei hiesigen und befreundeten Karnevalsgesellschaften im Ausland sind bis heute ein fester Bestandteil der Gesellschaft.

Ein Höhepunkt im jungen Vereinsgeschehen war die erste Teilnahme am Düsseldorfer Rosenmontagszug im Jahre 1951. Seit dieser Zeit nimmt die Gesellschaft alljährlich mit einem aus den eigenen Reihen gebauten Wagen am Rosenmontagszug in Düsseldorf teil.

Getragen durch den guten Ruf erlebte die Gesellschaft einen großen Zulauf von Mitgliedern. Gelungene Sitzungen und Kostümbälle sprachen für sich. Würdigung für ihre Verdienste fand die Gesellschaft 1954 aus der Hand des
damaligen Bürgermeisters der Gemeinde Büderich, Herrn Dr. h.c. Franz Schütz, Arbeitsdirektor der Böhler Werke. Er stifte der Gesellschaft ein herrliches Banner aus Wildseide in welchem die Büdericher Wahrzeichen: Spargel, Erdbeeren und der Dyckhof enthalten sind.

Die Gesellschaft hatte sich einen festen Platz im rheinischen Karneval verschafft, aber im Jahr 1971 verlor sie durch die Schließung des Saales Wilbrandt-Peter ihr Domizil für Großveranstaltungen. Da kein anderer geeigneter Raum in Büderich vorhanden war, wurden die Sitzungen kurzerhand in der Nachbargemeinde Kaarst durchgeführt. Da dies aber kein Dauerzustand werden sollte, gründeten die Heinzelmännchen mit anderen Vereinen 1972 die “Interessengemeinschaft Büdericher Vereine”, die sich insbesondere die Ersatzbeschaffung eines neuen Veranstaltungssaales in der Gemeinde Büderich zur Aufgabe machte. Durch verschiedene Aktionen, unter anderem mit der damaligen Bundestagspräsidentin Annemarie Renger, wurden die Stadtväter immer wieder auf die Saalmisere hingewiesen und an eine baldige Lösung erinnert. Am 14.01.1978 war es endlich soweit. Mit einer glanzvollen Prunksitzung wurde der “Bürgersaal” in Büderich unter dem Motto “endlich wieder Zuhause” eröffnet.

Aus Anlass unseres 3×11 jährigen Jubiläums stiftete unser Ehrenvorsitzender Heinrich Hülser eine Plakette, die zum Gedenken den Namen Dr. h.c. Franz-Schütz-Plakette trägt. Diese Plakette wird seit 1981 im Rahmen einer Feierstunde an Personen oder Institutionen verliehen, die sich, kulturell, sozial oder karitativ um das Gemeinwohl
verdient gemacht haben.

Weitere Veranstaltungen wie der Senatorenfrühschoppen, das große Richtfest des Rosenmontagswagens, der volkstümliche Altweiberball, der sehr bekannte Kinderkarneval am Karnevalssontag sowie das traditionelle

Fischessen mit Hoppedizbeerdigung am Aschermittwoch sind ein fester Bestandteil im närrischen Vereinskalender. Wenn man gefragt würde, was denn besonders bemerkenswert in den 55 Jahren Vereinsleben gewesen sei,
könnte man folgende Bereiche anführen:

1. Schon bei der Gründung kam es zu einer Integration in das rheinische Brauchtum von Mitgliedern, deren Wiege nicht im Rheinland stand – Memel, Königsberg, Swinemünde, Hamburg, Lüneburger Heide usw. Mit Rheinländern zusammen ergab dies eine gute Mischung.

2. Schon bald veranstaltete der junge Verein Gastauftritte auswärts, zahlreiche in Holland, aber auch in Bremen, Ostheim vor der Rhön und in Espelkamp. Das Programm wurde mit Düsseldorfer Künstlern gestaltet und von Rundfunk und Zeitungen entsprechend gewürdigt.

3. Hervorzuheben ist auch das kulturelle und soziale Engagement. Stiftung und Verleihung der “Dr. Franz Schütz-Plakette”, Stiftung für soziale Zwecke, Altenfahrten, Sitzungen in Seniorenheimen.

4. Erstaunlich ist auch die Konstanz in der Vereinsführung: Franz Laumen war 40 Jahre Zeremonienmeister und 1. Geschäftsführer. Sein Sohn Michael Laumen war als Literat 20 Jahre für die Programmgestaltung zuständig und außerdem 7 Jahre Präsident.
Vorsitzende:
Hermann Wilbrandt 13 Jahre, Heinrich Hülser 11 Jahre und
Günther Roeder 18 Jahre.
Präsidenten:
Walter Götz 16 Jahre, Heinz Nelsen 20 Jahre.

5. Als letzte Besonderheit muss das treue Publikum genannt werden, von dem
schon Franz Ketzer sagte: ” Ihr habt ein Publikum, um das Euch viele beneiden!”

Heute hat der Verein rund 200 Mitglieder, die aus allen Schichten der Bevölkerung kommen, darunter rund Senatoren und eine 20köpfige Tanzgarde. Dennoch möchten wir den Verein weiter verjüngen- die Suche nach aktiven Mitgliedern läuft weiter. Zahlreiche Aktivitäten sowohl innerhalb als auch außerhalb der Session machen das Vereinsleben bei den Heinzelmännchen besonders attraktiv. So pflegen wir auch weiterhin unsere guten Kontakte ins Ausland. Unsere intensive Freundschaft zu der Narrenkap aus Velp in den Niederlanden besteht seit mehr als 60 Jahren.

Mit einem jungen Vorstand, der zu einem Großteil aus Frauen besteht, gehen wir unseren Weg weiter in die Zukunft. Das 7x11jährige Jubiläum kann also kommen!

 

Die Chronisten
Heinz Nelsen und Michael Laumen
ergänzt durch David Burkhardt

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